ILS Erding

Notruf 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst


Wer einen Rettungswagen braucht, wählte früher die vorwahlfreie Nummer 19 222 und wurde mit der Rettungsleitstelle Erding verbunden, die daraufhin das nächste Einsatzmittel alarmierte. Wenn’s brennt wurden die Feuerwehren unter der Nummer 112 von der Polizeidirektion Erding bzw. Polizeiinspektion Ebersberg alarmiert.

Zwei Notrufnummern sind eine zu viel, wenn es um Sekunden geht, wenn es darum geht Menschenleben zu retten und erhebliche Sachwerte zu schützen.
Mit dem Gesetz zur Einrichtung Integrierter Leitstellen vom 25.07.2002 im Freistaat Bayern hat daher die Staatsregierung beschlossen, den einheitlichen Notruf 112 in Bayern flächendeckend einzuführen und hierunter die Notrufdienste für den Bereich Brandschutz, Technische Hilfeleistung, die Notfallrettung und den qualifizierten Krankentransport in einer „Integrierten Leit –Stelle“ ILS unter einem Dach zusammenzufassen.

Für die Landkreise Ebersberg, Erding und Freising ist dafür die Integrierte Leitstelle (ILS) zuständig, die in Erding aufgebaut wurde und vom Landkreis Erding betrieben wird.

Welche wesentliche Vorteile ergeben sich mit einer ILS:
  • Zusammenführung der Alarmierungsstrukturen von Feuerwehr und Rettungsdienst an einem Abfrageplatz
  • fachliche Qualifikation des Personals - Leitstellendisponent: sowohl Feuerwehr als auch Rettungsdienstausbildung
  • Verbesserung in der Qualität der Abfrage des Notrufes nach 5 W Fragen
  • Schnittstelle und Verküpfung der Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdienst in den „Einsatzstichwörtern“
  • FMS Funkmeldesystem mit Statusanzeige der verfügbaren Fahrzeuge
  • Alarm- und Ausrückeordnung sind mit den Kommandanten abgestimmt

    Bereits am 01.01.2007 wurde im Landratsamt Erding das neue Sachgebiet Brand-, Katastrophenschutz und ILS geschaffen, um die Rettungsleitstelle Erding bzw. anschließend die ILS Erding optimal in die Organisation des Landratsamtes einzubinden.

    Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Erding (ZRF Erding) hat beschlossen, dass der Landkreis Erding Betreiber dieser ILS wird. Um dies vertraglich zu fixieren, wurde ein Betreibervertrag erstellt, der Ende Juni 2007 zwischen dem ZRF Erding und dem Landkreis Erding geschlossen wurde.

    Neben diesen organisatorischen und rechtlichen Vorbereitungen mussten natürlich auch die technischen und räumlichen Voraussetzungen für den Betrieb einer ILS geschaffen werden.

    So wurde in Erding ein Anbau an die ehemalige Rettungsleitstelle für die ILS und die Leitstellentechnik errichtet.

    Weiterhin wurde nach Abschluss des Betreibervertrags der Betriebsübergang der bisherigen Rettungsleitstelle Erding vom Bayerischen Roten Kreuz auf den Landkreis Erding vorbereitet und zum 01.01.2008 abgeschlossen.
    Im Zuge dieses Betriebsübergangs übernimmt der Landkreis Erding nicht nur die komplette Ausstattung der bestehenden Rettungsleitstelle Erding, sondern auch alle 18 Mitarbeiter. Zwischenzeitlich wurden aufgrund der Umstrukturierung von der Rettungsleitstelle zur ILS 6 weitere Mitarbeiter eingestellt, so dass für den Betrieb der ILS Erding nun insgesamt 21 Disponenten (davon 5 Schichtleiter), 2 Systemadministratoren und 1 Leitstellenleiter zur Verfügung stehen.

    Dieser vorzeitige Betriebsübergang hatte vor allem den Hintergrund, die übernommenen Mitarbeiter auf ihre zukünftigen Aufgaben optimal vorbereiten zu können, denn neben der bereits vorhandenen Ausbildung im Rettungsdienst (zum Großteil ausgebildete Rettungsassistenten) benötigen diese eine entsprechende feuerwehrfachliche Ausbildung, die mit den so genannten Feuerwehrmodulen I und II vermittelt wird.
    Um dieses feuerwehrfachliche Grundwissen möglichst schnell vermitteln zu können, wurde die Schulung des Feuerwehrmoduls I vom Feuerwehr-Ausbildungszentrum des Landkreises Erding in Zusammenarbeit mit den Landkreisen Ebersberg und Freising durchgeführt. Dafür wurde vom Feuerwehr-Ausbildungszentrum des Landkreises Erding ein Ausbildungskonzept ausgearbeitet, welches von dem Bayerischen Staatsministerium des Innern genehmigt wurde.

    Ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Weg zur Inbetriebnahme der ILS ist die Umsetzung der neuen Alarmierungsbekanntmachung ABek vom 12.12.2005:

    Damit gehen wir einen Weg der der neue Maßstäbe setzt und in die Zukunft weißt.
    Bis August 2009
    werden die Feuerwehren noch mit BASIS nach den Stufen 1 bis 7 alarmiert;
    ab 18.08.2009 wird es bei der ILS Erding allein für den Bereich der Feuerwehr 57 Einsatzstichwörter für die schnelle Hilfe geben.

    Durch diese 57 Einsatzstichworte davon
  • 22 für Brand
  • 35 für Technische Hilfeleistung
  • (und zusätzlich 49 für den Rettungsdienst)
    ergibt sich eine bessere Tiefenschärfe als bisher mit nur 7 Alarmstufen in BASIS. Damit werden keine Feuerwehren mehr alarmiert sondern „Einsatzmittel“ (z. Bsp. Fahrzeuge, Atemschutzgräte, Rettungsspreizer, sonstige Geräte, Löschwassermenge.)

    Das ergibt zwar den Vorteil einer gewissen Tiefenschärfe, um für jedes Ereignis auch immer den richtigen Ansatz an Einsatzkräften und Mitteln zu haben machte dies aber eine völlige aufwendige Neuplanung und ein Umdenken im Verständis der Alarmierung notwendig.

    Für die Alarmierungsplanung des Rettungsdienstes ist dabei der ZRF Erding zuständig (konkret wurde diese Aufgabe von den Systemadministratoren der Leitstelle übernommen, da die Leitstelle auf jahrelange Erfahrung im Bereich Rettungsdienst zurückgreifen konnte), für die Alarmierungsplanung der Feuerwehren ist die jeweilige Kreisverwaltungsbehörde zuständig.

    Dafür haben wir einen Arbeitskreis bestehend aus dem jeweils zuständigen Landratsamt in Zusammenarbeit mit der Kreisbrandinspektion und unter der frühzeitigen Beteiligung der Kommandanten gebildet.
    In diesem Arbeitskreis arbeiten bei uns aus dem Lkrs. EBE Herr Klaus Schmid vom (Landratsamt EBE SG 33) LRA KBR Gerhard Bullinger, KBI Alois Mayer und unser Fachberater EDV Joachim Benz mit.

    Das heißt im Detail:

    Für jedes einzelne der 57 „Einsatzstichworte“ musste eine Einsatzmittelkette erarbeitet werden, in dieser wurde festgelegt, welche Einsatzmittel (z. Bsp. Fahrzeuge, Atemschutzgräte, Rettungsspreizer, sonstige Geräte, Löschwassermenge aber auch Mannschaft (Anzahl auch Tagesalarm sicher) und Führungskräfte) jeweils hintereinandergereiht zu alarmieren sind.

    Des Weiteren waren sogenannte Bereichsfolgen aufzustellen, d. h. für jeden Ort oder Weiler im Landkreis der ja durch ein Ereignis zur Schadensstelle werden kann, war festzulegen welche Feuerwehr, gemäß Meldebild – am schnellsten verfügbar - Entfernung vom Einsatzort (GEO referenziert – GIS System) mit den erforderlichen Einsatzmittel vor Ort sein kann.
    Aber auch die zweite, dritte und weitere am schnellsten verfügbare Feuerwehr falls die vorgenannten Einsatzmittel anderweitig gebunden sind usw.

    Diese Bereichsfolgen und Zonen mussten so weit fortgeführt werden, dass auch für den größten denkbaren Unglücksfall alle in einer Einsatzmittelkette vorgesehenen Einsatzmittel auch tatsächlich alarmierbar und verfügbar sind.
    Für manche Orte mussten deshalb bis zu 100 Feuerwehren eingeplant werden.

    "Schnelle Hilfe überall die Ortsfeuerwehr"


    Die Ortsfeuerwehren wurden deshalb in der Alarm- und Einsatzplanung in den Einsatzmittelketten der neuen Integrierten Leitstelle (ILS) in Erding verstärkt berücksichtigt und werden zukünftig in jedem Fall immer alarmiert!
    Dabei wird auf die gute Ortskenntnis und Objektkompetenz der Ortswehren stets zurückgegriffen!

    Geht nun bei der integrierten Leitstelle Erding ein Notruf ein, frägt der Leitstellendisponent nach den „fünf W Fragen“ den Notruf ab!
  • WAS ist passiert
  • WO Einsatzort örtlich genau da (GEO referenziert – GIS System)
  • WER meldet
  • WIE ist es passiert sind Personen eingeklemmt oder verletzt
  • WARTEN auf Rückfragen des Disponenten daraus ergibt sich das jeweilige „Einsatzmeldebild“

    Gemäß des abgefragten „Einsatzmeldebild“ gibt der Disponent mit dem Einsatzstichwort die Alarmierung der Wehren frei, nach der Alarmierung, hat nun der Einsatzleiter immer die richtigen, gemäß Meldebild - schnellsten verfügbaren - Entfernung vom Einsatzort ( GEO referenziert – GIS System) erforderlichen Einsatzmittel an der Einsatzstelle um sein Schadensereignis zu bewältigen.

    FMS Funkmeldesystem FMS
    Bei der Alarmierung der Wehren wird der Leitstellendisponent durch das – „FMS Funkmeldesystem“ unterstützt, das mit der ILS in Betrieb geht. Dieses FMS über-mittelt jeden Status der Fahrzeuge an den Leitrechner.
    Die Statusanzeige im Leitrechner berücksichtigt dabei, welche Einsatzmittel (Fahrzeug) gerade verfügbar oder schon im Einsatz sind und welches z. Bsp. in der Werkstatt oder auf Fahrten sind und welche Einsatzmittelkette dann greift (folgt), wenn das Fahrzeug nicht verfügbar wäre.

    Ist zum Beispiel die Ebersberger Drehleiter gebunden (Statusanzeige), greift das Programm auf die nächstgelegene Drehleiter zu (zum Beispiel auf die Grafinger Drehleiter) automatisch zu und alarmiert diese.

    Diese Planungen zur Umsetzung der Alarmierungsbekanntmachung begannen bereits im Oktober 2008.
    Ende des Jahres 2008 wurden mit den Kommandanten in mehreren Veranstaltungen die Einsatzmittelketten und die Bereichsfolgen, sowie die Zonen besprochen und festgelegt.

    Der Aufbau der ILS Erding ist abgeschlossen. Mit der Aufschaltung der Brandmeldeanlagen aus den drei Landkreisen wurde im März 2009 begonnen, die Anbindung der einzelnen Anlagen wurde nach und nach durchgeführt.

    Der Terminplan für die Inbetriebnahme stellte sich wie folgt dar:

    Eckdaten
    14.07.2006Beschluss des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Erding über die Vergabe des Betriebs der ILS Erding an den Landkreis Erding
    12.12.2007Spatenstich
    08.05.2008Richtfest
    31.01.2009Einweihung ILS, Beginn Probebetrieb
    31.03.2009Inbetriebnahme ILS Erding
    (Alarmierung des Rettungsdienstes über ELDIS III BY)
  • Umschaltung 19222 auf ILS Erding
  • Abschaltung FEZ Erding; Abwicklung der Alarmierung der Feuerwehren des Landkreises Erding und Freising mit Disponenten der ILS (über Basis)
  • Beginn Aufschaltung der Brandmeldeanlagen der Landkreise Erding und Freising
  • 07.05.2009Notruf 112 für den Landkreis Erding wird zur ILS geschalten
    14.05.2009Notruf 112 für den Landkreis Freising wird zur ILS geschalten
    03.06.2009Notruf 112 für den Landkreis Ebersberg wird zur ILS geschalten
  • Aufschaltung der Brandmeldeanlagen aus Ebersberg
  • 15.07.2009Notruf 112 für den Flughafen München wird zur ILS geschalten

    18.08.2009
    Alarmierung der Feuerwehren des Landkreises ED und FS über ELDIS III BY.
    05.09.2009Alarmierung der Feuerwehren des Landkreises Ebersberg über ELDIS III BY.


    Die Einsatzmittelketten und die Bereichsfolgen, werden bis Ende April 2010 auf der HP www.kbi-ebe.de im Bereich der Kommandanten hinterlegt.

    Die ILS Erding hat eine eigene HP unter www.ils-erding.de

    Besichtigung der ILS in Erding;
    Termine werden vom Kommandanten mit dem zuständigen Bereichs KBM vereinbart. Dadurch wird sichergestellt dass alle Besichtigungen strukturiert nach dem gleichen Prozedere ablaufen, damit jede Feuerwehr eines jeden Landkreises nach der Besichtigungen auf dem gleichen Wissenstand ist.

    Für die Kommandanten wird mit der Schulung in der Einsatznachbearbeitung durch unseren Fachberater EDV im Mai begonnen.

    Alle Änderungen Belade/Kontaktänerungsmitteilung
    bitten wir mit den dafür vorgesehnen Formblättern über den Gebiets KBM an das LRA zu richten

    Erfahrungen Unregelmäßigkeiten und Auffälligkeiten:
    Es ist ja ganz wichtig dass wir Fragen und Anregungen von den Kommandanten bekommen, nur so können wir etwaigen Fehlern nachgehen, sie analysieren und abstellen, ggf. auch was ändern, dass sollte aber offen an uns herangetragen werden nur so können wir das dann ändern und abstellen aber dazu brauchen wir Ausführungen um was unternehmen zu können ! Anregungen und Rückmeldungen nach den Alarmierungen sind für uns ein ganz wichtiges Feedback, dem wir umgehend nachgehen müssen.

    Wir sind immer offen für Fragen und Anregungen:
    Da sind wir auf Euere Unterstützung auch angewiesen weil das keinem so deutlich auffällt als der örtlich zuständigen Feuerwehr, wir bitten Euch deshalb möglichst zeitnah innerhalb der nächsten drei Tage uns den Sachverhalt mit Ort Datum des Einsatzes über den Gebiets KBM an das LRA zu richten
    Siehe dazu auch Schreiben des LRA EBE Herr Schmid vom 13.04.2010 an die Kommandanten.

    Ich bedanke mich besonders bei unserem Arbeitskreis Herr Klaus Schmid vom LRA meinem Stellvertreter KBI Alois Mayer und unserem Fachberater EDV Joachim Benz
    der einen Großteil der Arbeit mit der Dateneingabe hatte, den Kommandanten, sowie allen Beteiligten für das Vständnis, die engagierte Mitarbeit bei der Umsetzung zum Wohle und Sicherheit unserer Bürger und wünsche den Mitarbeitern der ILS allzeit eine erfolgreiche Arbeit.


    Gerhard Bullinger

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